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Konversationsstücke

Ein Kammerspiel

Kurator: Jens Hoffmann, A.C.I.

Akt II: 13. Februar – 13. März

Eröffnung der Ausstellung: 13. Februar, 18 bis 21 Uhr

 

Johnen Galerie

Marienstrasse 10, 10117 Berlin

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Szene I: Thomas Ruff | Andrew Grassie

Szene II: Roman Ondák | Wiebke Siem

Szene III: Geoffrey Farmer | Martin Honert

 

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Die Johnen Galerie feiert ihren 25. Geburtstag mit der Ausstellung Konversationsstücke, einer Gruppenausstellung in drei Akten, die von Jens Hoffmann kuratiert wurde. Konversationsstücke präsentiert sich als eine Ausstellung, die wie ein Kammerspiel strukturiert ist: gleich einer Besetzung, die sich aus verschiedenen Charakteren zusammensetzt, wird ein breites Spektrum von Kunstwerken in dialogische Bezüge gesetzt. Allen Künstlern, deren Arbeiten gezeigt werden, ist gemein, dass sie in der Geschichte der Galerie eine wichtige Rolle einnehmen. Indem hier die theatralischen Aspekte der Werke hervorgehoben werden, thematisiert die Ausstellung auch die Präsentation zeitgenössischer Kunst und wirft ein Licht auf den Aspekt der dramatischen Inszenierung. Jeder Akt dauert vier Wochen und stellt jeweils einen Teil des sich entfaltenden Dramas dar. Die Pausen sind für jeweils eine Woche angesetzt. Der Titel der Ausstellung, Konversationsstücke, bezieht sich auf ein Genre der britischen Malerei im 18. Jahrhundert, aber auch auf das Theater des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wo in der Darstellung humorvoller, dialogischer Szenen Gesellschaftskritik geübt wurde. Die Vorgabe eines Kammerspiels für Konversationsstücke ist auch inspiriert von der räumlichen Nähe der Galerie zu einem der bedeutendsten Theater dieser Art in Deutschland, dem Deutschen Theater. 

Der zweite Akt von Konversationsstücke präsentiert eine vielfältige Besetzung von Rollenfiguren: In der ersten Szene hat Thomas Ruff Miniaturansichten von pornographischen Bildern, wie sie online zu finden sind, exponentiell vergrößert und somit in der Auflösung wesentlich vergröbert. Sechs der daraus entstandenen Fotografien werden in einer Hängung im Salon-Stil präsentiert. Der schottische Künstler Andrew Grassie hat Ruffs unverhüllte ‚Original’ - Quellenmaterialien aufgegriffen und sorgfältig in Tempera wiedergegeben, anschließend hat er diese Arbeiten hinter Mattglas gerahmt. Die Bilder enthüllen und verschleiern somit zugleich das bereits rätselhafte Wesen des Ausgangsmaterials.

Sowohl beim Kammerspiel als auch im Genre der Konversationsstücke wurde die Erzählung eher von Emotion und Atmosphäre getragen, als durch narrative Handlungsstränge bestimmt. Wie der Name besagt, wurden Kammerspiele ursprünglich durch die Räumlichkeiten definiert in denen sie stattfanden: so dient in der zweiten Szene der Essbereich in den Werken von Roman Ondák und Wiebke Siem als Bühne. Auf Ondáks Foto-Diptychon His Affair with Time fungiert die Küchenwand als Zollstock, der die Körpergröße eines Kindes angibt. Diese beiden Fotografien scheinen identisch zu sein, jedoch wurden sie im Abstand von einigen Minuten aufgenommen; somit thematisieren sie auch das Unvermögen das immerwährende Fortschreiten von Zeit festzuhalten und wiederzugeben. In Wiebke Siems Installation Die Fälscherinbevölkern Figuren, die traditionelle afrikanische Formen nachahmen und aus Haushaltsgegenständen hergestellt sind, ein Esszimmer im Stil der Vorkriegs-Moderne. Zwar wird der Raum dadurch unbenutzbar, doch scheinen diese Figuren die Familie zu repräsentieren oder zu ersetzen. In dieser Verschmelzung von Motiven greift Siem ironisch auf, wie die modernistischen Künstler afrikanische Motive als ‚andersartig’, ‚primitiv’, ‚unkontrollierbar’, ‚sexuell’ und oft weiblich dargestellt haben. Die dargestellten Räume von Ondák und Siem halten den Betrachter auf Distanz, die Zeit scheint dort zum Stillstand gekommen.

In der dritten Szene bildet Martin Honert mit großer Sorgfalt ein fotografisches Negativ des Schlafsaals im Internat seiner Jugendzeit nach. In der Installation mit elektrischem Licht erscheinen alle Schatten hell und alle hellen Flächen dunkel. Die sich daraus ergebende Installation ist dem Negativ, jedoch nicht der Realität oder seiner eigenen Erinnerung, getreu. Das Werk und seine zwanghaften Darstellungen, die bis ins letzte Detail gehen, ermutigen, aus unserem Gedächtnis zu schöpfen. Aus Lumpen, die er im Heizungskeller einer Schule in Montreal gefunden hatte, gestaltete der kanadische Künstler Geoffrey Farmer die Eulen-Figur der Installation You Know Nothing, The Owl Knows Everything. Die einzelnen Elemente der Arbeit werden von einem poetischen und humorvollen Text begleitet, der den Betrachter in ein Komplott  von subversivem Charakter einbezieht. Die ernsthafte und sachliche Präsentation des Materials schafft Authentizität, obwohl dieser eine absurde Realität voll von ungestümer Phantasie zugrunde liegt. 
Das Begleitmaterial des Deutschen Theaters sowie die formale Anlehnung der Galerieräume an das Schauspielhaus laden den Zuschauer ein, sich wie auch beim Theater auf die ungestüme Natur der Dialoge einzulassen.

 

 

Abbildung: Wiebke Siem, Die Fälscherin, 2009, verschiedene Materialien, Maße variabel

 

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CONVERSATION PIECES

A Chamber Play

Curated by Jens Hoffmann

Act II: February 13 – March 13

Exhibition Opening: February 13, 6 - 9pm

 

Johnen Galerie

Marienstrasse 10, 10117 Berlin

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www.johnengalerie.de

 

Scene 1: Thomas Ruff | Andrew Grassie

Scene 2: Roman Ondák | Wiebke Siem

Scene 3: Geoffrey Farmer | Martin Honert

 


Johnen Galerie is pleased to celebrate its 25th anniversary with Conversation Pieces, a group show of three parts curated by Jens Hoffmann. Adapting the structure of a three-act chamber play to an exhibition of visual art, Conversation Pieces presents a diverse range of artists currently or previously represented by the gallery, engaging them and their artworks in a series of intimate and dynamic conversations. While focusing on the theatrical aspects of the works, the exhibition will also reflect on the display of contemporary art and its relationship to the staged or dramatised. Each act is four weeks long and represents one part of a larger, developing narrative. Intermissions will last one week. The title of the exhibition, Conversation Pieces, traditionally refers to a particular style of group portraiture popular in Britain in the 18th century.  The chamber-play premise for Conversation Pieces in part arises from the gallery’s proximity to one of Germany’s most important theaters, the Deutsches Theater. 

Act II of Conversation Pieces further aims to present a varied cast of characters in a seemingly natural way. In Scene I of Act II, Thomas Ruff has exponentially enlarged thumbnails of porn images found online. Six of the resulting photographs are hung in a salon-style hanging.  Andrew Grassie has taken Ruff's unobscured "original" source material and carefully rendered them in tempera,  which he has then put behind frosted glass. In either case, naturalism is not synonymous with realism; these varied screens are all faithful to exposing and shrouding the enigmatic essence of the source material.

In both the Kammerspiel and the Conversation Pieces genres, stylistic unity was determined by emotion and atmosphere rather than by traditional narrative devices. Once assembled in an effective sequence, the resulting chemistry between plot and character drive the narrative.  Chamber plays were initially defined by the spaces in which they took place—and hence its name—by a series of small domestic rooms.  In Scene II, the kitchen/dining area sets the stage and serves as the initial bridge to Roman Ondák and Wiebke Siem's work.  In Ondák's photo diptych His Affair with Time, the kitchen wall serves as a meter-stick for measuring a child's height. Even though the two photographs seem identical, they were taken minutes apart, serving as a documentation of the process and passing of time. In Wiebke Siem's sculptural installation Die Fälscherin, figures that mimic traditional African forms made from household objects overflow a prewar modern dining-room.  While rendering the room unusable, the figures seem to represent or replace the family, and the housewife, the artist. In this conflation of motifs, Siem skewers the way in which Modernist artists portrayed African motifs as “other,” “primitive,” “uncontrollable,” “sexual,” and often female.  Although in the domestic spaces in Ondák and Siem's work time is at a standstill, we have the ability to enter these spaces, while acknowledging our simultaneous distance to them.

In Scene III, Monert Honert painstakingly recreates a photographic negative of his boyhood boarding-school dormitory. All of the shadows are made light and all that was light is made dark, so the resulting electric light installation is faithful to the negative, but not to reality or his own memory.  Perhaps, then, the work and its obsessive depictions to the last detail encourage us to draw upon our own collective memory.  From materials found in a school in Montreal, Geoffrey Farmer has fashioned an owl figure puppet out of an old rag found in a boiler room. Other such relics are accompanied by a poetic and humorous text that alludes a plot to overthrow the school that is controlled by an owl.  The serious and factual presentation of the work as well as its legitimate source material purports an impossible actuality, but we recognize an authenticity in the impetuous naivete driving them.  Moreover, the accompanying Deutsches Theater material reminds us that perhaps only in a theatrical setting can we fully immerse ourselves in the dialogues that arise.


 

Image: Wiebke Siem, Die Fälscherin, 2009,  Mixed Media, Dimensions variable

 

 


 

 


 

 

 

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